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Harry Harthgestorben am 28. Juni 2026

Beitrag

An alle Besucherinnen und Besucher der Trauerfeier!

Hier ist der Text, der alle Beiträge angekündigt und verbunden hat.

Ein Leben voller Hilfsbereitschaft und leidenschaftlicher Gespräche

Liebe Kinder, Liebe Verwandten, Liebe Trauergäste, Liebe Freundinnen und Freunde,
Heute wollen wir die Erinnerungen an meinen lieben Gefährten, meinen Partner von über 40 Jahren, den Vater und Opa, den Freund und den Rechtsanwalt teilen.
Er wurde am 28. September 1949 als James Harry Welter in Mannheim geboren, sein Vater war der amerikanische Soldat James Douglas Taylor, Mitglied der Army, der wenige Zeit später zum Koreakrieg eingezogen wurde. Von dort kehrte er nicht zurück und Harrys Mutter war glücklich, einen neuen Partner zu finden, Armin Harth, der den Achtjährigen adoptierte. So wurde auch der Name des Kindes geändert und, von 1958 an hieß er Harry Armin Harth.
Die Familie lebte damals in Bamberg unter schwierigen Nachkriegsbedingungen, Harry war zeitweilig auch im Internat, aber ein fleißiger und guter Schüler, so dass er nach dem Umzug der Eltern nach Franken in die Nähe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze auf das Gymnasium in Bad Neustadt gehen konnte. Die Familie lebte auf dem Gelände der Firma Fischer in Salz bei Bad Neustadt. Beide Eltern waren bei dieser Firma angestellt, die Mutter als Buchhalterin und der Vater fuhr in die Dörfer ringsum, um die Landmaschinen der Firma zu verkaufen.
Schon damals hat sich Harry beharrlich durchgebissen und konnte als sozialer Aufsteiger das Abitur ablegen und ein Jurastudium in Würzburg beginnen– dafür hatte er sich entschieden, obwohl er beim Lesen mit Stotterern kämpfen musste. Er war seinen Eltern immer sehr dankbar, dass sie ihm das Studium ermöglicht haben. Er hat mir aber einmal erzählt, dass er kaum glauben konnte, dass eine Mitschülerin im Bücherschrank ihrer Eltern Faust 1 und 2 von Goethe fand und lesen konnte. Ja, später konnten auch unsere Kinder den Faust zu Hause finden neben unzähligen anderen Büchern!
Harry heiratete 1971 die 19- jährige Barbara Sabiers aus Bad Neustadt, genannt Babs. Ich habe mit ihr telefoniert, sie wäre sehr gerne zur Trauerfeier gekommen, aber ist wegen einem Umzug verhindert. Das junge Paar zog nach Heidelberg, wo Harry sein Studium fortsetzte. Während Barbara in Heidelberg blieb, wechselte Harry nach dem ersten Staatsexamen nach Stuttgart zum Referendariat, und ließ sich in der Folge scheiden. Mir erklärte er immer, die erste Ehe sei gescheitert, denn sie seien einfach zu jung gewesen zum Heiraten.
Nach Abschluss des Referendariats beschloss Harry zusammen mit seinem Kommilitonen Rainer Kolossa, eine Rechtsanwaltskanzlei zu eröffnen. Die Wahl fiel auf Schorndorf, da die beiden festgestellt hatten, dass die Rechtsanwaltsdichte dort verglichen mit anderen Gemeinden im Umfeld von Stuttgart die geringste war. Und so eröffneten sie zusammen eine Kanzlei in der Daimlerstraße, damals über dem Lebensmittelgeschäft Nanz, ungefähr auf der Höhe des Crèpes-Stands.
Ich konnte Rainer Kolossa am Telefon erreichen, er sagte über seinen damaligen Kollegen: das war ja fantastisch, man konnte nächtelang mit ihm diskutieren über Gott und die Welt, er hatte immer wieder andere Themen und kannte sich darin aus! Daran hat er sich gerne erinnert. Die Bürogemeinschaft allerdings scheiterte recht bald daran, dass beide ein sehr unterschiedliches Verhältnis zum Geldverdienen und Geldausgeben hatten.
Harry hatte damals eine amerikanische Freundin, eine Eurythmistin namens Gail, und entwickelte dadurch Neigungen zur Anthroposophie.

Margritta Knauss kennt meinen Mann tatsächlich länger als ich selbst und kann davon berichten:
Margritta
Daran knüpft sich eine bezeichnende Geschichte zwischen uns beiden, Harry und mir, als frisch Verliebte: Wir wohnten damals beide in Beutelsbach, Ich machte das Referendariat am Remstalgymnasium in Weinstadt. Als ich mich einmal wieder über den dortigen Stress bei Harry beklagte, hat er mir die pädagogischen Schriften von Rudolf Steiner empfohlen, das sind vor allem Mitschriften von Vorträgen Steiners. Damals hatte Harry eine beträchtliche Sammlung davon. Nach zwei Seiten steinerscher Pädagogik hatte ich allerdings genug, legte das Buch weg und teilte Harry mit, damit könne ich nichts anfangen. Ich glaube, das war der erste wirkliche Streit in unserer jungen Beziehung, denn Harry erklärte, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstießen und es nicht gut klinge, könne es auch daran liegen, dass der Kopf hohl ist.
Ich möchte dazu sagen, dass die Streitlust, die Harry manchmal zeigte, unserer Beziehung gewiss gut getan hat. Denn ich hätte manche Konflikte eher unter den Teppich gekehrt und das rächt sich auf Dauer.
Diese Zeit, 1983 bis 87, war friedensbewegt und voller Aufbruchstimmung. Wir beide hatten uns in der Friedensinitiative Weinstadt kennengelernt und im Sommer 1983 war in Mutlangen das große Sommerlager der Friedensbewegung und die Blockade gegen die Pershing 2 Raketen. Als ich wegen Nötigung beim Blockieren angeklagt wurde, hat Harry mich als Rechtsanwalt verteidigt. Ich habe einer Einstellung des Verfahrens zugestimmt, auch aus Angst um meine berufliche Zukunft. Und es war Harry, der eines Tages vorschlug, dass wir jetzt Mitglieder der Grünen werden sollten. Während ich seit 40 Jahren dabei geblieben bin, ist er einige Jahre später wieder ausgetreten und hat sogar ein Zwischenspiel bei der FDP absolviert, zuletzt war er wieder Grünen- Wähler, wahrscheinlich mir zuliebe.
Zusammen mit einigen meiner Studienfreundinnen und -Freunden verbrachten wir unsere Freizeit und Harry hat das Radfahren kennen und lieben gelernt.
Elli
Mit diesem Fahrrad sind wir sowohl an die französische Atlantikküste als auch durch die Pyrenäen beinahe bis zur spanischen Westküste gefahren, mit Zelt, Schlafsäcken und Campingkocher ausgerüstet, sozusagen mit Schlafzimmer, Küche und Bad.
1987 war für uns ein entscheidendes Jahr: wir zogen zusammen in die Friedrichstraße in Schorndorf, beim Streichen der Wohnung ahnte ich, dass ich schwanger war und kurz danach heirateten wir.

Helene Simma war Trauzeugin,sie ist heute leider verhindert, aber hat folgende Gedanken aufgeschrieben:
Helene
Und es gibt noch eine weitere Zeugin unserer Hochzeit, die mit uns gefeiert hat und damals Auszubildende in Harrys Kanzlei war. Sie hat womöglich ebenso viele wache Stunden mit ihm verbracht wie ich selbst.
Alexandra
Unsere Kinder wurden alle geboren, solange wir noch in der Friedrichstraße wohnten: Fabian 1988, Almut 1991, und Rafael 1994.
Mein Bruder Helmut wirft einen sehr persönlichen und scharfsinnigen Blick auf unsere junge Ehe:
Helmut
Zwar fuhren wir mit den Kindern nicht mehr 1000 km weit in den Urlaub, dafür aber täglich Fahrrad, sowohl zum Kindergarten oder zum Einkauf als auch weiterhin im Urlaub weitere Strecken. Almut erzählt aus ihrer Kindheit:
Almut
Mit Elisabeth Röhm- Stefan und ihren Kindern zusammen haben wir wohl 10 Urlaube verbracht, zunächst auf der Alb und im Bayrischen Wald, später im Allgäu, zuletzt in Steeg im Lechtal. Daran knüpfen sich unzählige Erinnerungen.
Elli
Als die Kinder sich selbständig gemacht hatten, setzten wir, Harry und ich, unsere Urlaube in Steeg fort. Doch 2014 musste Harry wegen einem Lymphödem den Urlaub abbrechen und kam danach nicht mehr mit in die Berge.
Einer unserer treusten Freunde hat uns ebenfalls auf unseren Radtouren begleitet, war dann auch ein langjähriger Gesprächspartner für Harry auch in juristischen Fragen, denn er war auf Jura spezialisierter Buchhändler:

Thomas

In seinem Beruf half Harry unzähligen Menschen geholfen. Stellvertretend möchte ich seinen Freund und Mandanten Wolfgang Bogusch zitieren:
Harry war mein Anwalt und daraus entwickelte sich eine sehr wertvolle, persönliche Vertrautheit, die nicht zuletzt einem Gleichklang in der Einschätzung vieler Dinge dieser Welt entsprang.
Einen Anwalt braucht man immer, wenn in gewisser Weise eine persönliche Notlage besteht. Solche Notlagen gab es immer wieder und nach unserem ersten „Fall“ war einfach klar, ich habe einen sehr großen Helfer, einen Vertrauten, der in so einer Lage weiß, was das Richtige ist. Durchaus auch kritisch – aber genau deshalb so unheimlich wertvoll.
Sehr bald stellte Harry fest, dass eine Existenz als einzelner Anwalt immer schwieriger wurde, da Räumlichkeiten, Angestellte, Fachliteratur, Telefon und zunehmend EDV finanziert werden mussten. Und so suchte und fand er Partnerinnen und Partner, zunächst Diana Arndt-Riffler, die ihn in den Spezialgebieten sehr gut ergänzte, denn sie war Spezialistin für Arbeitsrecht. Sie wechselte jedoch später zur Gewerkschaft und weitere Kollegen kamen und gingen, die Zusammenarbeit war nicht immer unproblematisch. Schließlich jedoch fand Harry einen Kollegen, der kam, um zu bleiben:
Andreas
Und noch eine Angestellte, die in der Kanzlei ausgebildet wurde, berichtet gern über Harry als Ausbilder und Chef:
Laura Maier
Harry arbeitete bis Ende 2020 in der Kanzlei, also bis zum Alter von 71 Jahren, bevor er in den wohlverdienten Ruhestand trat. Als meine hochbetagten Eltern im Jahr darauf krank wurden und starben, war er mir eine große Hilfe und hat auch regelmäßig meine Mutter im Karlsstift besucht.
Allmählich zeigte sich aber, dass seine Kräfte nachließen.
Wolfgang

Almut