Andreas Traub
schrieb am 3. August 2026 um 14.46 Uhr
Lieber Harry,
wir haben mehr als ein Jahrzehnt zusammengearbeitet. Aber eigentlich beschreibt dieses Wort unsere Beziehung nur unzureichend. Denn aus einer beruflichen Zusammenarbeit wurde im Laufe der Jahre etwas viel Wertvolleres. Aus gegenseitigem Respekt wurde Vertrauen. Aus Vertrauen entstand Freundschaft.
Es gab kaum ein Thema, über das wir nicht gesprochen haben. Wir haben schwierige Fälle gemeinsam durchdacht, komplizierte rechtliche Fragen diskutiert und manchmal lange nach der besten Lösung gesucht. Aber wir haben genauso über das Leben gesprochen – über unsere Familien, über persönliche Erlebnisse, über Sorgen und Hoffnungen. Mit dir konnte man offen reden, ohne sich erklären zu müssen. Du hast zugehört, nachgedacht und nie vorschnell geurteilt. Das war eine deiner großen Stärken.
Ein ganz besonderer Moment in unserer gemeinsamen Geschichte war das Ende des Jahres 2020. Nach vielen erfolgreichen Berufsjahren bist du in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. Und du hast mir deine Kanzlei anvertraut.
Das ist ein Geschenk, das mich bis heute mit großer Dankbarkeit erfüllt und das ich niemals als selbstverständlich angesehen habe.
Neben den beruflichen Entscheidungen sind es vor allem die vielen kleinen gemeinsamen Erinnerungen, die heute besonders lebendig werden.
Ich denke an unsere Kanzleiausflüge nach Esslingen oder nach Ostfildern. An die gemeinsamen Stunden außerhalb des Arbeitsalltags. Dort wurde gelacht, erzählt und diskutiert. Diese Tage haben gezeigt, dass unsere Gemeinschaft weit über den Beruf hinausging. Wir waren nicht einfach Menschen, die zufällig zusammenarbeiteten. Wir waren ein Team. Und wir waren Freunde.
Als Jurist warst du außergewöhnlich.
Dein Fachwissen war beeindruckend.
Doch so beeindruckend dein Wissen auch war – es war nie das, was dich im Kern ausgemacht hat.
Das Entscheidende war, wie du dieses Wissen eingesetzt hast.
Für dich standen niemals Akten im Mittelpunkt, sondern Menschen.
Jeder Mandant war für dich zuerst ein Mensch mit einer Geschichte, mit Sorgen und Hoffnungen. Du hast zugehört. Du hast verstanden. Und du hast nie vergessen, dass hinter jeder Akte ein Schicksal stand.
Du hast für Gerechtigkeit gekämpft. Nicht deshalb, weil es dein Beruf verlangte, sondern weil es deiner inneren Überzeugung entsprach. Besonders die Menschen, die sonst oft keine starke Stimme hatten, lagen dir am Herzen. Die sogenannten kleinen Leute konnten sich darauf verlassen, dass du dich mit ganzer Kraft für sie eingesetzt hast.
Und wenn es notwendig war, hast du auch auf ein Honorar verzichtet, weil dir wichtiger war, dass jemand zu seinem Recht kam. Das war keine Ausnahme, sondern Ausdruck deiner Haltung.
Auch im persönlichen Umgang warst du ein außergewöhnlicher Mensch.
Du hast dich ehrlich für andere interessiert. Nicht aus Höflichkeit, sondern aus echtem Interesse.
Du hast Menschen nicht nur wahrgenommen – sie waren dir wichtig.
Im Kanzleialltag warst du für mich oft der Ruhepol.
Wenn der Terminkalender übervoll war, wenn schwierige Verfahren gleichzeitig auf uns zukamen oder wenn Probleme zunächst unlösbar erschienen, bist du nie in Hektik verfallen.
Dann kam häufig dein Satz, den ich wohl niemals vergessen werde:
„Komm, wir setzen uns erst einmal in die Küche und machen einen Kaffee. Jedes Problem ist lösbar.“
Dieser Satz war viel mehr als eine Einladung zum Kaffeetrinken.
Er war Ausdruck deiner Lebenshaltung.
Du hast nie zugelassen, dass Schwierigkeiten größer wurden als die Menschen, die sie lösen konnten. Du hast Ruhe ausgestrahlt. Du hast Ordnung in das Chaos gebracht. Du hast Zusammenhänge erkannt und anderen den Mut gegeben, weiterzumachen.
Und erstaunlicherweise hattest du fast immer recht.
Nach diesem Kaffee sah vieles tatsächlich schon anders aus.
Ein besonderer Bestandteil unserer gemeinsamen Zeit waren unsere Freitage.
Fast schon ein festes Ritual.
Wir gingen ins Kesselhaus oder zum Griechen, ließen die Woche Revue passieren und sprachen über die Fälle, die uns beschäftigt hatten.
Diese Gespräche waren weit mehr als juristische Fallbesprechungen.
Ich habe in diesen Stunden nicht nur juristisch viel gelernt. Ich habe gelernt, wie wichtig Haltung ist. Dass Fachwissen alleine nicht genügt. Dass man Verantwortung trägt. Dass Menschlichkeit und Gerechtigkeit zusammengehören.
Dafür bin ich dir sehr dankbar.
Für mich warst du über all die Jahre der beste Bürogemeinschafter den man sich wünschen konnte.
Du hast Verantwortung übernommen, ohne großes Aufsehen darum zu machen. Du hast geholfen, ohne Gegenleistung zu erwarten. Du warst da, wenn man dich brauchte.
Genau deshalb wirst du so vielen Menschen fehlen.
Wenn ich heute auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, dann sehe ich nicht zuerst die vielen Verfahren oder die beruflichen Erfolge.
Ich sehe unsere Gespräche.
Ich sehe den Kaffee in der Küche.
Ich sehe unsere Freitage im Kesselhaus oder beim Griechen.
Ich sehe unsere gemeinsamen Ausflüge.
Ich sehe einen Menschen, der mit seiner ruhigen Art viele Leben bereichert hat.
Und ich sehe einen Freund.
Du warst ein Teil meines Lebens.
Dafür werde ich dir immer dankbar sein.
Lieber Harry,
Menschen wie du hinterlassen Spuren.
Nicht nur in Akten oder Entscheidungen.
Sondern vor allem in den Herzen der Menschen, denen sie begegnet sind.
Deine Spuren werden bleiben.
In der Kanzlei.
Bei deinen Mandanten.
Bei deinen Freunden.
Und ganz besonders bei mir.
Danke für deine Freundschaft.
Danke für dein Vertrauen.
Danke für deine Menschlichkeit.
Danke für alles, was du mir mitgegeben hast.
Ich werde dich nie vergessen.
Du wirst uns allen fehlen.
Margritta und Wolfgang Knauß
schrieb am 1. August 2026 um 11.38 Uhr
Kennengelernt habe ich Harry über meine Frau Margritta. Sie hatte ihn Anfang der 1980er Jahre auf dem Engelberg bei einem Eurythmiekurs kennengelernt. Er war ja immer schon neugierig und wollte Neues kennenlernen. So auch die Eurythmie ausprobieren. Wie fühlt sie sich an? Am Ende des Kurses stellte er jedoch fest, dass das nichts für ihn ist, und beendete diese Episode.
Um die Jahrtausendwende und in den Jahren danach haben Harry und ich uns immer wieder zum Wandern getroffen. Was heißt „immer wieder“? Manchmal war es nur einmal im Jahr, manchmal vier- oder fünfmal. Und doch entstand daraus eine tiefe Freundschaft – ich glaube, von beiden Seiten. Jede dieser Begegnungen war bereichernd: durch unsere Gespräche, den Austausch von Gedanken und Meinungen, aber auch durch die gemeinsame Freude an einem guten Essen.
Harry war ja außergewöhnlich hilfsbereit. Wenn er auf eine Frage von uns nicht sofort eine Antwort wusste, hat er sich darum gekümmert und ist später darauf zurückgekommen. Auf ihn war Verlass.
Auch beim Wandern habe ich mich immer auf ihn verlassen. Obwohl die Navigations-Apps immer besser wurden, hatte er stets seine Wanderkarte dabei. Und er kannte die Gegend so gut, dass ich seinen Wegweisungen blind vertraute. Nicht selten wusste er es besser als mein Navigationsprogramm.
Gerne kam Harry zum Grillen zu uns und fühlte sich in unserem Garten sehr wohl. Er liebte wie Margritta die Blumen und nahm bei jedem Besuch ein paar Blumentöpfchen mit.
Lieber Harry, nun kann ich nicht mehr mit Dir über unsere Sorgen und Nöte sprechen, mit Dir über Gott und die Welt diskutieren.
Ich werde Dich vermissen.
Wir werden Dich vermissen.
Mechthild Dierlamm-Harth
schrieb am 1. August 2026 um 10.12 Uhr
Erinnerungen von Helene Simma
Wenn ich anlässlich des Abschieds von Harry auf ihn und die Erinnerungen an ihn eingehe, möchte ich seine Freude an intellektuell anregenden Gesprächen wieder aufleben lassen samt seiner Art des "Premium-Zuhörens": statt mit Argumenten sofort zur Gegenattacke zu schreiten, fragte er auf pfiffig-sympathische Art nach, ließ dabei durchblicken, eine Sache anders zu sehen, ließ gleichzeitig Sprechenden die Chance, darauf einzugehen, nicht kämpfen zu müssen.
Mag sein, dass das innerhalb der Familie mitunter anders war (so diszipliniert kann man schließlich nicht immer sein), doch diese Qualität im Gespräch mit uns Freundinnen und Freunden fand ich an Harry geradezu vorbildlich (aktuell wichtig und vermutlich förderlich bei offenkundig unterschiedlichen politischen Positionen: nur wenn man sich nicht wehren muss, kann man das andere zulassen, Raum gewinnen lassen).
Wenn ich ganz an den Anfang zurückdenke, sehe ich am Hochzeitstag einen total verliebten Harry und eine glückliche Mechthild. An diesem gemeinsam verbrachten besonderen Tag eurer Beziehung begann es, und mit Farbe, Lebendigkeit, vielseitiger Kreativität ging's weiter, wurde Alltag. Ich ahne: nie langweilig, sondern mit Offenheit und Bereitschaft für Herausforderndes, Freudiges und Belastendes. Mechthild, du wirst in Dankbarkeit an eure Nähe denken und vermutlich im Gespräch mit ihm bleiben.
Helene hat noch folgendes Gedicht von Peter Rühmkorf hinzugefügt:
Auf was nur einmal ist
Manchmal fragt man sich: ist das das Leben?
Manchmal weiß man nicht: ist dies das Wesen?
Wenn du aufwachst, ist die Klappe zu.
Nichts eratmet, alles angelesen,
siehe, das bist du.
Und du denkst vielleicht: ich gehe unter,
bodenlos und fürchterlich - :
Einer aus dem große Graupelhaufen,
nur um einen kleinen Flicken bunter,
siehe, das bin ich
Aber dann, aufeinmalso, beim Schlendern, lockert sich die Dichtung, bricht die Schale,
fliegen Funken zwischen Hut und Schuh:
Dieser ganz bestimmte Schlenker aus der Richtung,
dieser Stich in Unnormale,
was nur einmal ist und auch nicht umzuändern:
siehe, das bist du.
Gerhard Schmid-Bleile
schrieb am 31. Juli 2026 um 23.17 Uhr
Liebe Mechthild,
ich habe deinen Mann ja nicht kennengelernt und bin deshalb auch nicht
zu seiner Beerdigung gekommen, da waren sicher viele nähern dran.
Ich finde aber diese Art der Kondolenzen sehr passend, weil mir durch
die verschiedenen Wortbeiträge, Erinnerungen und Bilder nochmal klarer
geworden ist, welche Bedeutung er für dich gehabt hat und auch als
Vater der Kinder, als Opa und als Wegbegleiter für viele Freunde.
Liebe Mechthild, ich habe dich als sehr informierte, kluge Kollegin "im Geiste
kennen- und schätzengelernt und wünsche dir viel Kraft und Energie für die kommenden Aufgaben.Ich denke, wir, der ganze Klimaentscheid und
die vielen Klimaaktiven werden mehr denn je gebraucht bei 40 Grad Hitze
und mehr.
Oder um es mit Wolfgang Niedecken von BAP zu sagen: Wenn wir auf unsere
Enkel schauen, haben wir gar keine andere Wahl als Optimist zu sein (bei
selbstverständlich klarem Blick auf die Umstände
No pasaran, pasaremos!
Elli Röhm-Stephan
schrieb am 29. Juli 2026 um 19.51 Uhr
Gedanken zum Tod von Harry
ich bin Elli Röhm-Stephan und wir als Familien sind schon immer befreundet.
Harry kenne ich seit Anfang bis Mitte der 80er Jahre, also mehr als ein halbes Leben lang.
Eine meiner frühen konkreten Erinnerungen an Harry ist die, dass Jörg, mein schon lange verstorbener Mann – er war Teil des Freundeskreises von Mechthild aus Tübinger Zeiten – zusammen mit Harry Fahrradbasteleien gepflegt hat. Jörg, ein passionierter Fahrradfahrer und begnadeter Bastler, befand auf einer Radtour, dass die Fahrräder von Mechthild und Harry nicht berggängig waren. So wurde in der Folge Abhilfe geschaffen – für Mechthild wurde ein Rad aus Rahmen und Einzelteilen zusammengebaut, mit dem sie sehr lange unterwegs war. Es leistete gute Dienste bei allen Touren, die zusammen auch mit den Kindern gemacht wurden.
Diese Fahrradbasteleien waren sozusagen der Start für eine über Jahrzehnte anhaltende Begeisterung fürs Fahrradfahren – im Alltag, aber auch in der Freizeit auf kürzeren und längeren Touren im In- und Ausland.
Harrys erwachte und gelebte Begeisterung für's Fahrradbasteln und -fahren blieb ihm erhalten und hat ihn bis in seine letzten Jahre begleitet.
Johannes, mein Sohn, hat mich daran erinnert, dass Harry, der leidenschaftliche Fahrradfahrer bei gleichzeitigem Verzicht aufs Auto aus Überzeugung sich immer mal wieder gerne eine Fahrt mit dem Taxi gegönnt hat. Auch mir wurde die Erinnerung wieder lebendig, wie Harry von dem sanften, geschmeidigen und gently Fahrstil der Taxifahrer geschwärmt hat, besonders auf kurvigen Strecken.
Später, ab 1993, 1994 starteten wir eine wunderbare Tradition – wir verbrachten jeden Sommer einen gemeinsamen Urlaub in den Bergen. Start war auf der schwäbischen Alb, mit den noch kleinen Kindern, dann Sattelbogen im Bayerischen Wald, Eisenerz in Österreich und ab da Ferien auf dem Bauernhof – zuerst in Hüttenberg im Allgäu bei Sonthofen, später im Lechtal in Hinterellenbogen bei Steeg.
Wenn Mechthild und ich zusammen mit den "großen Buben" Fabian und Johannes, damals geschätzt um die 10 Jahre alt, eine Bergtour machen wollten, dann übernahm Harry bereitwillig die Betreuung der "Kleinen" – Almut, Ann-Sophie, Friederike und Rafael. Er überlegte sich ein cooles Programm – zum Beispiel auf dem Ponyhof, Spielplatz, am Bach spielen ....
Die "Kleinen" wurden schnell älter und so waren wir alle zusammen unterwegs – drei Erwachsene, 6 Kinder. Als Gipfelstürmer mit einer ganzen Schar Kinder waren wir nicht unbedingt die alltägliche Erscheinung in den Bergen.
Sehr gut erinnere ich mich, wie Harry in den Wanderpausen immer wieder die Mundharmonika aus dem Rucksack holte und schöne Melodien erklingen ließ. Die Kinder waren alle mit Begeisterung dabei und Ann-Sophie erzählte mir, dass Levi, ihr vierjähriger Sohn, noch mit der Mundharmonika, die sie von Harry geschenkt bekommen hatte, gespielt hat.
Aber nicht nur die Mundharmonika, auch das literarische Erbe Harrys, begleitet die Kinder von damals.
Gedichte wurden rezitiert und teilweise wohl auch auswendig gelernt:
Von Friedrich Hebbel - »Ja, das Kätzchen hat gestohlen"
die bekannte Ballade "John Maynard" von Theodor Fontane.
"Die Bürgschaft" oder "Das Lied von der Glocke" von Friedrich Schiller
"Belsazar" von Heinrich Heine
oder
das Gedicht „Die Füße im Feuer“ aus der Feder von Conrad Ferdinand Meyer.
Ann-Sophie erinnert sich auch an die Hammer-Geschichte von Watzlawick aus seinem Werk "Anleitung zum unglücklich sein." Es geht dabei um die Erkenntnis, wie wir mit unseren Gedanken – positiv oder negativ – unsere Lebenswirklichkeit beeinflussen und bestimmen können.
Ein schönes Vermächtnis, das für immer mit Harry verbunden sein wird.
Dass Johannes, Ann-Sophie und Friederike in den Genuss von Asterix und Obelix kamen, verdanken sie Harry. Einzelne Hefte sind erhalten geblieben und werden heute im Gedenken an Harry an die nächste Generation weiter gegeben.
Zu den bleibenden Eindrücken aus diesen Urlauben gehört für Friederike, damals noch ein Kind, wie Harry mit Ausdauer und Konzentration sich seiner Zeitungslektüre gewidmet hat – auch diverse lokale Blätter gehörten dazu, und natürlich lange, tiefgründige Gespräche an gemütlichen Abenden oder an verregneten Tagen.
Harry war sehr interessiert und trotz seiner intellektuellen Ausstrahlung, seiner rational-analytischen Art zu denken und zu reflektieren gleichzeitig auch menschlich nahbar, immer an praktischen Lösungen für das Leben orientiert.
Angeschnittene Themen fanden ihre Fortsetzung in Briefen, zum Teil auch an die Kinder adressiert. Da wurde Lustiges und Kurioses vermittelt, aber auch aktuelle Themen .... oft mit ganzen Sammlungen von Zeitungsausschnitten belegt.
Später wurde Harry auch ein Berater in rechtlichen Angelegenheiten. So unterstützte er eine meiner Kolleginnen erfolgreich und auch Ann-Sophie und Friederike waren dankbar für seine Unterstützung, als es mit einer WG-Mitbewohnerin in München Schwierigkeiten gab.
Was mich sehr berührt hat ist die Tatsache, dass Harry der Einladung zu meinem 60. Geburtstagsfest gefolgt ist, das ich in größerem Rahmen gefeiert habe. Das wusste und weiß ich umso mehr zu schätzen, als mir bewusst ist, wie wenig Harry solche Veranstaltungen eigentlich mochte.
Heute haben wir uns versammelt, um von Harry Abschied zu nehmen.
Ich glaube, er wird uns von irgendwo dort oben wohlwollend begleiten und ermahnt uns, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und unser Leben zu leben, egal wo wir stehen. Sei es mitten im Leben oder doch schon eher im Herbst des Lebens angekommen.
Dass wir Harry in unserem Leben begegnen durften, Wege mit ihm geteilt haben, das hat uns reicher gemacht und das begleitet uns als Vermächtnis auch in die Zukunft.
Harry, ruhe in Frieden
Mechthild Dierlamm-Harth
schrieb am 28. Juli 2026 um 19.22 Uhr
An alle Besucherinnen und Besucher der Trauerfeier!
Hier ist der Text, der alle Beiträge angekündigt und verbunden hat.
Ein Leben voller Hilfsbereitschaft und leidenschaftlicher Gespräche
Liebe Kinder, Liebe Verwandten, Liebe Trauergäste, Liebe Freundinnen und Freunde,
Heute wollen wir die Erinnerungen an meinen lieben Gefährten, meinen Partner von über 40 Jahren, den Vater und Opa, den Freund und den Rechtsanwalt teilen.
Er wurde am 28. September 1949 als James Harry Welter in Mannheim geboren, sein Vater war der amerikanische Soldat James Douglas Taylor, Mitglied der Army, der wenige Zeit später zum Koreakrieg eingezogen wurde. Von dort kehrte er nicht zurück und Harrys Mutter war glücklich, einen neuen Partner zu finden, Armin Harth, der den Achtjährigen adoptierte. So wurde auch der Name des Kindes geändert und, von 1958 an hieß er Harry Armin Harth.
Die Familie lebte damals in Bamberg unter schwierigen Nachkriegsbedingungen, Harry war zeitweilig auch im Internat, aber ein fleißiger und guter Schüler, so dass er nach dem Umzug der Eltern nach Franken in die Nähe der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze auf das Gymnasium in Bad Neustadt gehen konnte. Die Familie lebte auf dem Gelände der Firma Fischer in Salz bei Bad Neustadt. Beide Eltern waren bei dieser Firma angestellt, die Mutter als Buchhalterin und der Vater fuhr in die Dörfer ringsum, um die Landmaschinen der Firma zu verkaufen.
Schon damals hat sich Harry beharrlich durchgebissen und konnte als sozialer Aufsteiger das Abitur ablegen und ein Jurastudium in Würzburg beginnen– dafür hatte er sich entschieden, obwohl er beim Lesen mit Stotterern kämpfen musste. Er war seinen Eltern immer sehr dankbar, dass sie ihm das Studium ermöglicht haben. Er hat mir aber einmal erzählt, dass er kaum glauben konnte, dass eine Mitschülerin im Bücherschrank ihrer Eltern Faust 1 und 2 von Goethe fand und lesen konnte. Ja, später konnten auch unsere Kinder den Faust zu Hause finden neben unzähligen anderen Büchern!
Harry heiratete 1971 die 19- jährige Barbara Sabiers aus Bad Neustadt, genannt Babs. Ich habe mit ihr telefoniert, sie wäre sehr gerne zur Trauerfeier gekommen, aber ist wegen einem Umzug verhindert. Das junge Paar zog nach Heidelberg, wo Harry sein Studium fortsetzte. Während Barbara in Heidelberg blieb, wechselte Harry nach dem ersten Staatsexamen nach Stuttgart zum Referendariat, und ließ sich in der Folge scheiden. Mir erklärte er immer, die erste Ehe sei gescheitert, denn sie seien einfach zu jung gewesen zum Heiraten.
Nach Abschluss des Referendariats beschloss Harry zusammen mit seinem Kommilitonen Rainer Kolossa, eine Rechtsanwaltskanzlei zu eröffnen. Die Wahl fiel auf Schorndorf, da die beiden festgestellt hatten, dass die Rechtsanwaltsdichte dort verglichen mit anderen Gemeinden im Umfeld von Stuttgart die geringste war. Und so eröffneten sie zusammen eine Kanzlei in der Daimlerstraße, damals über dem Lebensmittelgeschäft Nanz, ungefähr auf der Höhe des Crèpes-Stands.
Ich konnte Rainer Kolossa am Telefon erreichen, er sagte über seinen damaligen Kollegen: das war ja fantastisch, man konnte nächtelang mit ihm diskutieren über Gott und die Welt, er hatte immer wieder andere Themen und kannte sich darin aus! Daran hat er sich gerne erinnert. Die Bürogemeinschaft allerdings scheiterte recht bald daran, dass beide ein sehr unterschiedliches Verhältnis zum Geldverdienen und Geldausgeben hatten.
Harry hatte damals eine amerikanische Freundin, eine Eurythmistin namens Gail, und entwickelte dadurch Neigungen zur Anthroposophie.
Margritta Knauss kennt meinen Mann tatsächlich länger als ich selbst und kann davon berichten:
Margritta
Daran knüpft sich eine bezeichnende Geschichte zwischen uns beiden, Harry und mir, als frisch Verliebte: Wir wohnten damals beide in Beutelsbach, Ich machte das Referendariat am Remstalgymnasium in Weinstadt. Als ich mich einmal wieder über den dortigen Stress bei Harry beklagte, hat er mir die pädagogischen Schriften von Rudolf Steiner empfohlen, das sind vor allem Mitschriften von Vorträgen Steiners. Damals hatte Harry eine beträchtliche Sammlung davon. Nach zwei Seiten steinerscher Pädagogik hatte ich allerdings genug, legte das Buch weg und teilte Harry mit, damit könne ich nichts anfangen. Ich glaube, das war der erste wirkliche Streit in unserer jungen Beziehung, denn Harry erklärte, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstießen und es nicht gut klinge, könne es auch daran liegen, dass der Kopf hohl ist.
Ich möchte dazu sagen, dass die Streitlust, die Harry manchmal zeigte, unserer Beziehung gewiss gut getan hat. Denn ich hätte manche Konflikte eher unter den Teppich gekehrt und das rächt sich auf Dauer.
Diese Zeit, 1983 bis 87, war friedensbewegt und voller Aufbruchstimmung. Wir beide hatten uns in der Friedensinitiative Weinstadt kennengelernt und im Sommer 1983 war in Mutlangen das große Sommerlager der Friedensbewegung und die Blockade gegen die Pershing 2 Raketen. Als ich wegen Nötigung beim Blockieren angeklagt wurde, hat Harry mich als Rechtsanwalt verteidigt. Ich habe einer Einstellung des Verfahrens zugestimmt, auch aus Angst um meine berufliche Zukunft. Und es war Harry, der eines Tages vorschlug, dass wir jetzt Mitglieder der Grünen werden sollten. Während ich seit 40 Jahren dabei geblieben bin, ist er einige Jahre später wieder ausgetreten und hat sogar ein Zwischenspiel bei der FDP absolviert, zuletzt war er wieder Grünen- Wähler, wahrscheinlich mir zuliebe.
Zusammen mit einigen meiner Studienfreundinnen und -Freunden verbrachten wir unsere Freizeit und Harry hat das Radfahren kennen und lieben gelernt.
Elli
Mit diesem Fahrrad sind wir sowohl an die französische Atlantikküste als auch durch die Pyrenäen beinahe bis zur spanischen Westküste gefahren, mit Zelt, Schlafsäcken und Campingkocher ausgerüstet, sozusagen mit Schlafzimmer, Küche und Bad.
1987 war für uns ein entscheidendes Jahr: wir zogen zusammen in die Friedrichstraße in Schorndorf, beim Streichen der Wohnung ahnte ich, dass ich schwanger war und kurz danach heirateten wir.
Helene Simma war Trauzeugin,sie ist heute leider verhindert, aber hat folgende Gedanken aufgeschrieben:
Helene
Und es gibt noch eine weitere Zeugin unserer Hochzeit, die mit uns gefeiert hat und damals Auszubildende in Harrys Kanzlei war. Sie hat womöglich ebenso viele wache Stunden mit ihm verbracht wie ich selbst.
Alexandra
Unsere Kinder wurden alle geboren, solange wir noch in der Friedrichstraße wohnten: Fabian 1988, Almut 1991, und Rafael 1994.
Mein Bruder Helmut wirft einen sehr persönlichen und scharfsinnigen Blick auf unsere junge Ehe:
Helmut
Zwar fuhren wir mit den Kindern nicht mehr 1000 km weit in den Urlaub, dafür aber täglich Fahrrad, sowohl zum Kindergarten oder zum Einkauf als auch weiterhin im Urlaub weitere Strecken. Almut erzählt aus ihrer Kindheit:
Almut
Mit Elisabeth Röhm- Stefan und ihren Kindern zusammen haben wir wohl 10 Urlaube verbracht, zunächst auf der Alb und im Bayrischen Wald, später im Allgäu, zuletzt in Steeg im Lechtal. Daran knüpfen sich unzählige Erinnerungen.
Elli
Als die Kinder sich selbständig gemacht hatten, setzten wir, Harry und ich, unsere Urlaube in Steeg fort. Doch 2014 musste Harry wegen einem Lymphödem den Urlaub abbrechen und kam danach nicht mehr mit in die Berge.
Einer unserer treusten Freunde hat uns ebenfalls auf unseren Radtouren begleitet, war dann auch ein langjähriger Gesprächspartner für Harry auch in juristischen Fragen, denn er war auf Jura spezialisierter Buchhändler:
Thomas
In seinem Beruf half Harry unzähligen Menschen geholfen. Stellvertretend möchte ich seinen Freund und Mandanten Wolfgang Bogusch zitieren:
Harry war mein Anwalt und daraus entwickelte sich eine sehr wertvolle, persönliche Vertrautheit, die nicht zuletzt einem Gleichklang in der Einschätzung vieler Dinge dieser Welt entsprang.
Einen Anwalt braucht man immer, wenn in gewisser Weise eine persönliche Notlage besteht. Solche Notlagen gab es immer wieder und nach unserem ersten „Fall“ war einfach klar, ich habe einen sehr großen Helfer, einen Vertrauten, der in so einer Lage weiß, was das Richtige ist. Durchaus auch kritisch – aber genau deshalb so unheimlich wertvoll.
Sehr bald stellte Harry fest, dass eine Existenz als einzelner Anwalt immer schwieriger wurde, da Räumlichkeiten, Angestellte, Fachliteratur, Telefon und zunehmend EDV finanziert werden mussten. Und so suchte und fand er Partnerinnen und Partner, zunächst Diana Arndt-Riffler, die ihn in den Spezialgebieten sehr gut ergänzte, denn sie war Spezialistin für Arbeitsrecht. Sie wechselte jedoch später zur Gewerkschaft und weitere Kollegen kamen und gingen, die Zusammenarbeit war nicht immer unproblematisch. Schließlich jedoch fand Harry einen Kollegen, der kam, um zu bleiben:
Andreas
Und noch eine Angestellte, die in der Kanzlei ausgebildet wurde, berichtet gern über Harry als Ausbilder und Chef:
Laura Maier
Harry arbeitete bis Ende 2020 in der Kanzlei, also bis zum Alter von 71 Jahren, bevor er in den wohlverdienten Ruhestand trat. Als meine hochbetagten Eltern im Jahr darauf krank wurden und starben, war er mir eine große Hilfe und hat auch regelmäßig meine Mutter im Karlsstift besucht.
Allmählich zeigte sich aber, dass seine Kräfte nachließen.
Wolfgang
Almut
Elisabeth und Martin
schrieb am 23. Juli 2026 um 0.06 Uhr
Liebe Mechthild, lieber Fabian, liebe Almut und lieber Rafael,
mit tiefem Mitgefühl haben wir vom Tod von Harry erfahren.
Wir erinnern uns gerne an die interessanten Besuche bei Euch. Und an unseren gemeinsamen Urlaub im August 1995 im französischen Jura. Dazu haben wir zwei hübsche Fotos gefunden.
Wir wünschen Euch jetzt viel Kraft und Zuversicht!
Mona
schrieb am 20. Juli 2026 um 11.32 Uhr
liebe Mechthild mit Familie,
gerne erinnere ich mich an Harrys Freundlichkeit, seine Hilfsbereitschaft u sein stilles Lächeln. Ich erinnere auch seinen immer wieder wachen Blick und hab seine Stimme im Ohr. Mögt ihr die Trauer über seinen plötzlichen Tod gemeinschaftlich tragen können. Ich denke an dich!
Herzlich, Mona