Erinnerungen von Helene Simma
Wenn ich anlässlich des Abschieds von Harry auf ihn und die Erinnerungen an ihn eingehe, möchte ich seine Freude an intellektuell anregenden Gesprächen wieder aufleben lassen samt seiner Art des "Premium-Zuhörens": statt mit Argumenten sofort zur Gegenattacke zu schreiten, fragte er auf pfiffig-sympathische Art nach, ließ dabei durchblicken, eine Sache anders zu sehen, ließ gleichzeitig Sprechenden die Chance, darauf einzugehen, nicht kämpfen zu müssen.
Mag sein, dass das innerhalb der Familie mitunter anders war (so diszipliniert kann man schließlich nicht immer sein), doch diese Qualität im Gespräch mit uns Freundinnen und Freunden fand ich an Harry geradezu vorbildlich (aktuell wichtig und vermutlich förderlich bei offenkundig unterschiedlichen politischen Positionen: nur wenn man sich nicht wehren muss, kann man das andere zulassen, Raum gewinnen lassen).
Wenn ich ganz an den Anfang zurückdenke, sehe ich am Hochzeitstag einen total verliebten Harry und eine glückliche Mechthild. An diesem gemeinsam verbrachten besonderen Tag eurer Beziehung begann es, und mit Farbe, Lebendigkeit, vielseitiger Kreativität ging's weiter, wurde Alltag. Ich ahne: nie langweilig, sondern mit Offenheit und Bereitschaft für Herausforderndes, Freudiges und Belastendes. Mechthild, du wirst in Dankbarkeit an eure Nähe denken und vermutlich im Gespräch mit ihm bleiben.
Helene hat noch folgendes Gedicht von Peter Rühmkorf hinzugefügt:
Auf was nur einmal ist
Manchmal fragt man sich: ist das das Leben?
Manchmal weiß man nicht: ist dies das Wesen?
Wenn du aufwachst, ist die Klappe zu.
Nichts eratmet, alles angelesen,
siehe, das bist du.
Und du denkst vielleicht: ich gehe unter,
bodenlos und fürchterlich - :
Einer aus dem große Graupelhaufen,
nur um einen kleinen Flicken bunter,
siehe, das bin ich
Aber dann, aufeinmalso, beim Schlendern, lockert sich die Dichtung, bricht die Schale,
fliegen Funken zwischen Hut und Schuh:
Dieser ganz bestimmte Schlenker aus der Richtung,
dieser Stich in Unnormale,
was nur einmal ist und auch nicht umzuändern:
siehe, das bist du.