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Harry Harthgestorben am 28. Juni 2026

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Gedanken zum Tod von Harry

ich bin Elli Röhm-Stephan und wir als Familien sind schon immer befreundet.
Harry kenne ich seit Anfang bis Mitte der 80er Jahre, also mehr als ein halbes Leben lang.

Eine meiner frühen konkreten Erinnerungen an Harry ist die, dass Jörg, mein schon lange verstorbener Mann – er war Teil des Freundeskreises von Mechthild aus Tübinger Zeiten – zusammen mit Harry Fahrradbasteleien gepflegt hat. Jörg, ein passionierter Fahrradfahrer und begnadeter Bastler, befand auf einer Radtour, dass die Fahrräder von Mechthild und Harry nicht berggängig waren. So wurde in der Folge Abhilfe geschaffen – für Mechthild wurde ein Rad aus Rahmen und Einzelteilen zusammengebaut, mit dem sie sehr lange unterwegs war. Es leistete gute Dienste bei allen Touren, die zusammen auch mit den Kindern gemacht wurden.
Diese Fahrradbasteleien waren sozusagen der Start für eine über Jahrzehnte anhaltende Begeisterung fürs Fahrradfahren – im Alltag, aber auch in der Freizeit auf kürzeren und längeren Touren im In- und Ausland.
Harrys erwachte und gelebte Begeisterung für's Fahrradbasteln und -fahren blieb ihm erhalten und hat ihn bis in seine letzten Jahre begleitet.
Johannes, mein Sohn, hat mich daran erinnert, dass Harry, der leidenschaftliche Fahrradfahrer bei gleichzeitigem Verzicht aufs Auto aus Überzeugung sich immer mal wieder gerne eine Fahrt mit dem Taxi gegönnt hat. Auch mir wurde die Erinnerung wieder lebendig, wie Harry von dem sanften, geschmeidigen und gently Fahrstil der Taxifahrer geschwärmt hat, besonders auf kurvigen Strecken.

Später, ab 1993, 1994 starteten wir eine wunderbare Tradition – wir verbrachten jeden Sommer einen gemeinsamen Urlaub in den Bergen. Start war auf der schwäbischen Alb, mit den noch kleinen Kindern, dann Sattelbogen im Bayerischen Wald, Eisenerz in Österreich und ab da Ferien auf dem Bauernhof – zuerst in Hüttenberg im Allgäu bei Sonthofen, später im Lechtal in Hinterellenbogen bei Steeg.

Wenn Mechthild und ich zusammen mit den "großen Buben" Fabian und Johannes, damals geschätzt um die 10 Jahre alt, eine Bergtour machen wollten, dann übernahm Harry bereitwillig die Betreuung der "Kleinen" – Almut, Ann-Sophie, Friederike und Rafael. Er überlegte sich ein cooles Programm – zum Beispiel auf dem Ponyhof, Spielplatz, am Bach spielen ....

Die "Kleinen" wurden schnell älter und so waren wir alle zusammen unterwegs – drei Erwachsene, 6 Kinder. Als Gipfelstürmer mit einer ganzen Schar Kinder waren wir nicht unbedingt die alltägliche Erscheinung in den Bergen.
Sehr gut erinnere ich mich, wie Harry in den Wanderpausen immer wieder die Mundharmonika aus dem Rucksack holte und schöne Melodien erklingen ließ. Die Kinder waren alle mit Begeisterung dabei und Ann-Sophie erzählte mir, dass Levi, ihr vierjähriger Sohn, noch mit der Mundharmonika, die sie von Harry geschenkt bekommen hatte, gespielt hat.
Aber nicht nur die Mundharmonika, auch das literarische Erbe Harrys, begleitet die Kinder von damals.
Gedichte wurden rezitiert und teilweise wohl auch auswendig gelernt:

Von Friedrich Hebbel - »Ja, das Kätzchen hat gestohlen"

die bekannte Ballade "John Maynard" von Theodor Fontane.

"Die Bürgschaft" oder "Das Lied von der Glocke" von Friedrich Schiller

"Belsazar" von Heinrich Heine

oder

das Gedicht „Die Füße im Feuer“ aus der Feder von Conrad Ferdinand Meyer.

Ann-Sophie erinnert sich auch an die Hammer-Geschichte von Watzlawick aus seinem Werk "Anleitung zum unglücklich sein." Es geht dabei um die Erkenntnis, wie wir mit unseren Gedanken – positiv oder negativ – unsere Lebenswirklichkeit beeinflussen und bestimmen können.

Ein schönes Vermächtnis, das für immer mit Harry verbunden sein wird.

Dass Johannes, Ann-Sophie und Friederike in den Genuss von Asterix und Obelix kamen, verdanken sie Harry. Einzelne Hefte sind erhalten geblieben und werden heute im Gedenken an Harry an die nächste Generation weiter gegeben.

Zu den bleibenden Eindrücken aus diesen Urlauben gehört für Friederike, damals noch ein Kind, wie Harry mit Ausdauer und Konzentration sich seiner Zeitungslektüre gewidmet hat – auch diverse lokale Blätter gehörten dazu, und natürlich lange, tiefgründige Gespräche an gemütlichen Abenden oder an verregneten Tagen.
Harry war sehr interessiert und trotz seiner intellektuellen Ausstrahlung, seiner rational-analytischen Art zu denken und zu reflektieren gleichzeitig auch menschlich nahbar, immer an praktischen Lösungen für das Leben orientiert.
Angeschnittene Themen fanden ihre Fortsetzung in Briefen, zum Teil auch an die Kinder adressiert. Da wurde Lustiges und Kurioses vermittelt, aber auch aktuelle Themen .... oft mit ganzen Sammlungen von Zeitungsausschnitten belegt.

Später wurde Harry auch ein Berater in rechtlichen Angelegenheiten. So unterstützte er eine meiner Kolleginnen erfolgreich und auch Ann-Sophie und Friederike waren dankbar für seine Unterstützung, als es mit einer WG-Mitbewohnerin in München Schwierigkeiten gab.

Was mich sehr berührt hat ist die Tatsache, dass Harry der Einladung zu meinem 60. Geburtstagsfest gefolgt ist, das ich in größerem Rahmen gefeiert habe. Das wusste und weiß ich umso mehr zu schätzen, als mir bewusst ist, wie wenig Harry solche Veranstaltungen eigentlich mochte.

Heute haben wir uns versammelt, um von Harry Abschied zu nehmen.
Ich glaube, er wird uns von irgendwo dort oben wohlwollend begleiten und ermahnt uns, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken und unser Leben zu leben, egal wo wir stehen. Sei es mitten im Leben oder doch schon eher im Herbst des Lebens angekommen.
Dass wir Harry in unserem Leben begegnen durften, Wege mit ihm geteilt haben, das hat uns reicher gemacht und das begleitet uns als Vermächtnis auch in die Zukunft.

Harry, ruhe in Frieden